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Covid 19 – eine Chance für die Jagd?

Mai 24, 2020

Es wurde in den letzten Wochen und Monaten viel über die Entstehung des Corona-Virus, mit oder ohne Verschwörungstheorien, gemutmaßt und gesprochen. Faktum sind die hohe Anzahl an Opfern und die noch nicht abschätzbaren Folgen für das wirtschaftliche Gefüge (national und international).

Was bedeutet diese Pandemie für die Jagd, was könnte man daraus lernen?

Schon in der ersten Woche nach dem „Shot-Down“ wurde es fast jedem bewusst, was es heißt, in einer Art „nationalem Notstand“ zu leben! An dieser Stelle überlasse ich die Argumentation und Diskussionsführung den einschlägigen Medien und denjenigen, die sich berufen fühlen, die Diskussion in der Öffentlichkeit zu führen!

Für mich als Jäger begann mit Corona eine bemerkenswerte Reise durch viele neue Situationen, die ich ab nun für mich abspeichere und mir bewusst vor Augen führe:

Funktionalität der Jagdgewehre und Munition –  keine Sache, die erst zu Beginn der Schusszeit akut wird!

Als OSM-Stellvertreter in der Privilegierten Schützenkompagnie 1540 zu St. Pölten (LINK) habe ich natürlich meine Jagdgewehre rund um das Kalenderjahr eingeschossen, und dies unabhängig von diversen Schusszeiten.

Unzählige verzweifelte Anrufe und Anfragen wurden beantwortet, da der Shot down die regulären Einschießmöglichkeiten (Schießstände etc.) sperrte. Wie soll ich das nun machen? Wo bekomme ich nun die Munition? etc. waren die am häufigsten gestellten Fragen.

Tipps:

Auch nach Beendigung der Schusszeit sollte die Waffe und die Optik waidgerecht funktionieren und gepflegt sein (LINK), da ja vielleicht auch ein unverhoffter Einsatz (z.B.: Nachsuche nach einem Verkehrsunfall) möglich ist!

Munition: Man kennt über das Jahr hinaus den jährlichen Durchschnitt seines Munitionsbedarfs. Ein kleiner Vorrat (z.B.: zwei oder drei Packungen) aus derselben Charge (Produktionsnummer) beruhigen.

Einschießen: Es empfiehlt sich, in seinem Revier die diversen Schussdistanzen (z.B.: 100, 150 und 200m) fix zu definieren oder auszupflocken, um eine gewisse Unabhängigkeit von Schießständen zu erreichen! Aber Achtung: Kugelfang beachten!

Wildbret – was tun damit, wenn der Wildfleischhandel nicht mehr funktioniert?

So man nicht das Wildbret selbst verwertet, war es bis jetzt eine Selbstverständlichkeit, dass der Wildbrethändler eine Kühlmöglichkeit vor Ort anbot und einen mehr oder weniger angemessenen Preis pro Kilogramm zahlte.

Nun war und ist alles anderes! Welche Überlegungen sind daher vor der Schussabgabe anzustellen?

Tipps:

Bedarfsorientiere Jagd: So ich im Moment in das Revier gehe, überlege ich mir, ob ich das Wildbret selbst in Anspruch nehme oder ich eine(n) Abnehmer(in) habe. Erst wenn der Konsum gesichert ist, nehme ich meine „Bayrische Prinzessin“ (Blaser R8 Professional Success, (LINK)) an der Hand und fahre in das Revier!

Aufbau eines privaten „Wildbret-Vermarktungs-Netzwerkes“: In Zeiten von I-Phone und Co ist es ein Leichtes, mittels „WhatsApp“ oder auf diversen elektronischen Foren einen Markt aufzubauen (z.B.: Eintrag beim NÖ LJV (LINK))

Dies hätte auch positive Nebeneffekte: Z. B., dass man ein wenig Unabhängigkeit von den Wildbret Händlern gewinnt, der Konsument einen regionalen Bezug zu seiner Nahrung bekommt (woher, wer und wann; quasi ein „AMA-Gütesiegel“ für die Jagd) und dass das Preisgefüge für Wildbret in Bewegung kommen könnte!

Steigerung der Lust auf Wildbret: Es beginnt zaghaft, aber doch, die Grillsaison! Warum Kotelette und Co, wenn es als Alternative ein nachhaltig bewirtschaftetes Wildfleisch gibt?

Werbung für gesundes, unter natürlichen Bedingungen entstandenes und direkt verarbeitetes Wildfleisch ist ein strategischer Ansatz. Und ehrlich, wer greift nach dem Genuss eines gegrillten Hirschkalblungenbratens noch im Regal zu Rindfleisch aus Süd Amerika?

Wildbret zerlegen, aber richtig! Viele Jägerinnen und Jäger haben ein wenig Bedenken zu jagen, da sie das handwerkliche „Knowhow“ der Wildbret Aufarbeitung nicht haben. Vielleicht in Kombination auch mit dem Fehlen der räumlichen Möglichkeit der Zerwirkung und einer adäquaten Kühlung bzw. dem Fehlen einer Vakuumieranlage.

Vielleich kommt es zu „Kühlgemeinschaften“? Mehrere Hegeringe schließen sich zusammen, schaffen eine gemeinsame Kühlanlage an (LINK) und betreiben so die Direktvermarktung selbständig!

Hier darf ich auf die Veranstaltungen des NÖ LJV hinweisen, welcher in seinem Seminarprogramm wieder diverse Kurse anbieten wird (LINK)!

Corona und die Jungjägerinnen und Jungjäger bzw. Schülerinnen und Schüler

Gerade in dieser besonderen Zeit ist es mehr denn je wichtig, unseren „Nachwuchs“ an der Hand zu nehmen und diesen in die Geheimnisse des Handwerks „Jagd“ einzuweihen! Warum? Nun, durch diese erschwerten Umstände scheut man sich in einem sehr hohen Maße das Wissen einfach weiterzugeben.

Tipps:

Beherzt und offen auf angehende Waidkameraden zugehen und das Feuer der Jagd vermitteln. Nicht mauern, sondern eine aktiv geführte Kommunikation sichert den Bestand der Jagd auch in Zukunft! Und, jeder in seinem Umfeld kennt den einen oder anderen Neuling…

Das Gleiche gilt aber auch für die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen, welche sanft, aber nicht einseitig zum Thema „Jagd“ herangeführt werden sollten, da nur das Verständnis des Gesamtansatzes „Natur“ auch zu einer nachhaltigen positiven Einstellung zur „Jagd“ führt!

Tipps:

Engagement von Jägerinnen und Jägern in Schulen und sonstigen pädagogischen Einrichtungen (auch Kindergärten) legen den Grundstein für ein verträgliches und verständnisvolles Miteinander! Kontaktiren Sie NÖ LJV, Schulträger und Waldpädagogen (LINK)! Sie werden sehen, dass es sich lohnt und dass dann endlich das Reh nicht mehr das Kind vom Hirsch ist!

Resümee:

Corona – eine Chance für die Jagd?

Ja, nützen wir sie gemeinsam!

Jagd verbindet!

Waidmannsheil,

Ihr

Gerhard Amler

P.S.: Die Fa. Grube hat wieder offen (LINK)!


2021-03-10T19:31:44+00:00
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