Interview mit Martina Hohenlohe

Dezember 3, 2021

Allroundtalent der Kulinarik, überzeugter Familienmensch und engagierte Bloggerin

Die Kunst der Zubereitung

Sehr geehrte Frau Hohenlohe!

Nachdem man sich durch die diversen Internetseiten und Rezensionen durchgeklickt bzw. sich auf so manch virtuelle und internationale Kulinarik- Reise begeben hat, Stichwort „Scharfes Langusten Gulasch auf den kapverdischen Inseln“, stellt man sich als simpler „Schnitzel-Konsument“ die Frage, was denn da so „gescheite“ Fragen wären?

Selbst schwierig anmutende Gerichte erklären Sie einfach, illustriert mit großartigen Bildern, was die Leserin, den Leser einlädt, die Kreation nachzukochen. Ihre Kochbücher wie Familiengerichte, Pasta – die besten Nudelgerichte, für Spätberufene mit wenig Zeit etc. decken die verschiedenen Facetten der Alltagskochsituationen ab. Allen gemeinsam ist, ein unübersehbarer und eleganter Hang zur pragmatischen Zubereitung der Speisen (LINK).

Die Liebe zum Detail – der Schlüssel zum Erfolg

Das Buch für die elegante Kulinarik am Abend

Ihr neuestes Werk „DINNER PARTY“ (LINK) ist für Menschen, die wenig Zeit in die Vorbereitung investieren wollen, dafür umso mehr Zeit in die Rolle als Gastgeberin und Gastgeber. Das Schöne daran ist, dass man mit Ihrer Hilfe eine Art Erfolgsgarantie gibt, da das Buch selbst mit Servicetipps nicht spart!

Sachbuchautorin, Bloggerin – alles für die Kulinarik

Planung ist fast alles

Bei so viel Enthusiasmus ergeben sich folgende Fragen:

Jagd Portal: Wie sind Sie denn überhaupt zum Thema „Kochen“ gekommen und was ist für Sie daran das Faszinierende, die Philosophie dahinter?

Frau Hohenlohe:

Ich bin am Land aufgewachsen, und wer das Mölltal kennt, versteht, was ich damit meine. Für einen heranwachsenden Menschen gibt es nicht viel Zertstreuung, wahrscheinlich hat auch das dazu beigetragen, dass ich mich schon relativ früh mit Kochen und Backen auseinandergesetzt habe. Ich finde nach wie vor eine ziemlich einzigartige Faszination und Entspannung in der Beschäftigung mit dem Kochen – wenn man daraus einen Beruf zimmern kann, hat man den Jackpot gezogen.

Jagd Portal: Auf Ihrer Homepage (LINK) steht, dass Sie zweimal täglich für Ihre Familien kochen.  Was kommt denn da so auf den Tisch?

Frau Hohenlohe:

In Wahrheit genau das, was man auf meinem Blog und in meinen Kochbüchern findet – unkomplizierte, alltagstaugliche Rezepte, die im Idealfall von der ganzen Familie goutiert werden. Planung ist das halbe Leben, deshalb habe ich mir mit meinem neuesten Produkt selbst einen Wunsch erfüllt und einen Wochenplaner für die familiäre Essensorganisation kreiert.

Traumberuf Koch und die Nachhaltigkeit in der Küche

Der Koch, der nicht nur kochen kann

Jagd Portal: Sie sind eine vielgelesene (Koch)Sachbuchautorin, engagierte Bloggerin und nimmermüde experimentelle Köchin, wenn es darum geht, etwas Nationales oder Internationales auszuprobieren. Würden sie einem jungen Menschen raten, den Beruf der Köchin, des Kochs zu ergreifen?

Frau Hohenlohe:

Ich glaube, für diesen Beruf muss man geboren sein. Als Koch muss man nicht nur kreativ sein und sein Handwerk verstehen, man muss die Mitarbeiterführung beherrschen, wirtschaftlich kompetent und auf Social media aktiv sein, Marketing sollte auch kein Fremdwort sein. Ganz schön viel für ein Jobprofil, aber wenn es passt, ist wahrscheinlich einer der schönsten Berufe der Welt.

Jagd Portal: Ästhetik und Ethik sind zwei zentrale Säulen der Spitzengastronomie, also nicht nur das „Wie“, sondern auch das „Woher“ von diversen Ingredienzien.  Artgerechte Haltung, Nachhaltigkeit sind nur einige Schlagwörter in diesem Zusammenhang. Wie sehen Sie das?

Frau Hohenlohe:

Heutzutage ist es essenziell, seine Speisekarte so transparent wie möglich zu gestalten – Produktherkunft und Nachvollziehbarkeit sind hier unverzichtbare Schlagwörter. Die Gäste sind anspruchsvoller und selbstbewusster geworden, man will wissen, woher sein Essen stammt und sich nicht unreflektiert grün für blau verkaufen lassen.

Wildbret – Außergewöhnliches in der Küche

Die Garzeit macht es aus

Jagd Portal: Apropos „Nachhaltigkeit“. Damit kommen wir zum Thema „Jagd“.

Die Leserinnen und Leser des Jagd-Portals interessieren sich natürlich, welchen Zugang Sie zur Jagd haben?

Frau Hohenlohe:

Ich kam der Jagd erst durch meinen Mann näher, der selbst Jäger ist. Manchmal gehe ich mit ihm auf die Pirsch und genieße das sehr – vor allem, die Ruhe, das Gehen, kein Handy. Ich liebe es, Wild zu kochen und freue mich immer, wenn mir ein Gericht gelingt, das nicht dem Herkömmlichen entspricht. Hirschgulasch und Rehragout in Ehren, aber man kann so viel mit Wild machen, das etwas außergewöhnlicher ist.

Jagd Portal: Gibt es da etwas, was man bei der Vor- und Zubereitung von Wildbret generell zu beachten hat?

Frau Hohenlohe:

Ja, die Herkunft ist natürlich auch hier von wesentlicher Bedeutung – das Wild muss ordentlich hergerichtet und abgehangen sein. Niemand will einen Hautgout, das kann sich nachhaltig negativ in die Geschmacksnerven brennen und eine lebenslange Aversion erzeugen.

Ansonsten: In der Zubereitung ist es natürlich abhängig von der Art des Fleisches, genauso wie bei Rind und Schwein. Oft ist Wild sehr mager, da sollte man die Garzeit besonders im Auge behalten.

Vom Wildbret in der Beize bis zum Lieblings(wild)gericht

Reh aus dem Wok und ein Full-Time Job

Jagd Portal: Was halten sie vom „Abhängen“ bzw. Einlegen von Wildbret in Beize?

Frau Hohenlohe:

Ohne Abhängen wird man keine Freude am Wild haben, am besten sollte es in der Decke abhängen, so bleibt es zart und trocknet nicht aus. Beize – warum nicht? Genauso, wie ich für manches Rezept meinen Rindsbraten vor dem Garen mariniere, ist das natürlich auch für das Wild in Ordnung. Früher war das Beizen für Wild unumgänglich, um einen intensiven Geschmack zu übertünchen. Ich finde das grundsätzlich nicht notwendig, ich schätze den feinen Wildgeschmack sehr und essen es ja gerade deswegen gerne.

Jagd Portal: Welches Wildgericht ist für Sie persönlich einfach der Favorit?

Frau Hohenlohe:

Ich liebe meinen Wok mit Rehfilet, das könnte ich jeden Tag essen.

Rezept: LINK

Jagd Portal: Veranstalten Sie spezielle Kochkurse, ist da etwas in Zukunft vorgesehen?

Frau Hohenlohe:

Leider nein, das bringe ich zeitlich nicht unter. Mit einem Fulltime-Job, drei Schulkindern und jetzt noch ein neues Kochsalon-Magazin, mit dem wir 2022 starten werden, sind Kochkurse leider nicht geplant.

Wünsche für die Zukunft der Gastronomie

Durchhaltevermögen und kreativ aus der Krise

Zum Abschluss:

Jagd Portal: In Anbetracht von Pandemie und Lockdown, was wünschen Sie sich für die Gastronomie?

Frau Hohenlohe:

Ich wünsche mir, dass das Personalproblem in der Gastronomie von der Politik erkannt und dessen Behebung unterstützt wird. Das ist im Moment ein echter Killer in der Szene. Ich wünsche mir, dass die Gastronomen durchhalten und wir alle bald wieder regelmäßig ins Restaurant gehen können. Ich wünsche mir, dass Kraft aus der Krise gezogen wird und alternative Konzepte und Ideen eher belebend als belastend wirken. 

Sehr geehrte Frau Hohenlohe!

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview und noch viel Spaß und Erfolg bei Ihren diversen Rezepten, Bücher und Vorhaben!

Guten Appetit und Waidmannsheil,

Ihr

Gerhard Amler

P.S.: Profil von Fr. Martina Hohenlohe:

Martina Hohenlohe gibt seit 2004 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Karl Hohenlohe den Restaurantführer Gault & Millau heraus, ist Mehrfach-Mutter, Buchautorin und Moderatorin. Sie war elf Jahre lang Kulinarik-Beauftragte im Magazin „Freizeit“ der Tageszeitung „Kurier“. 2016 startete sie mit der Website „Mein wunderbarer Kochsalon“, auf der sie wöchentlich neue Rezepte per Video und Foto aus ihrer privaten Küche veröffentlicht. Martina Hohenlohe lebt mit ihrer Familie in Wien und im niederösterreichischen Weinviertel.

Koch Bücher, Rezepte, Koch-Tipps, Veranstaltungen, Utensilien und allerlei nützliche Dinge für die Köche gibt es hier: LINK!

Von |2021-12-03T13:30:53+00:00Dezember 3, 2021|Diana, Featured, Frau & Jagd|0 Kommentare
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