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Jagd-Rucksäcke aus Meisterhand – ein Bericht!

August 14, 2018

Es gibt so viele Varianten von Rucksäcken, wie Einsatzmöglichkeiten. Gerade für die Jagd ist es entscheidend, welche Wahl man trifft.

Fragen, wie:

Material, Farbe, Außenaufbau, Bedienungsmöglichkeit von außen, Funktionalität des Außenbereichs (Gewehrhalterung, integrierter Regenschutz etc.), Struktur und Aufbau des Innenbereichs, gilt es für den persönlichen (Jagd)Einsatzbereich zu beantworten.

Eine klare Abgrenzung ist zum militärischen Einsatz eines Rucksacks zu ziehen, da der „normale“ Jäger weder ein „day-bag“ noch ein integriertes Gewehr-tragestell braucht, wie es die Scharfschützen verwenden (LINK).

Zurück zum Jagd-Rucksack:

Angefangen hat die Tradition mit der „Kraxe“, die primär zum Transport für schwere Lasten (Lebensmittel, Baumaterial) bzw. für Schmuggelgut herangezogen wurde. Später ist die Konstruktion der Kraxe ein interner Bestandteil des Rucksacks geworden. Somit lag der Schwerpunkt der Last auf dem Rücken und man hatte die Hände frei. Mitte des 20. Jhd kam der Hüft- und Brustgurt ins Spiel. So erreichte man eine gleichmäßige und konstante Verteilung der Last.

Wichtig war in diesem Zusammenhang, dass die Schultergurten eine gewisse Breite und Unterfütterung hatten, das sonst nach kurzer Zeit der Träger Schmerzen auf seinen Schultern verspürte.

Ein typisches Beispiel für zu schmalen Riemen waren die kleinen Jausen-Rucksäcke für Kinder. Diese gab es meist aus himmelblauem Segeltuch mit weißen, 1 cm breiten Schulterriemen!

Die Entwicklung der Technik in der Jagd hatte auch Einfluss auf die Gestalt und die Funktion der Rucksäcke ausgeübt. So kam erst mit dem Aufkommenden des Spektivs die entsprechende Einschubtasche auf den Rucksack hinauf.

Die Ur-Modelle der Rucksäcke bestanden einfach aus einem Sack aus Leinen, der mit zwei Tragriemen ausgestatte waren. Verschlossen wurde dieser mit der Schnur (Lederriemen), die durch Ösen gezogen wurden. Fertig war der „Woidsack aus Bad Aussee“. Viele Gämsen und Böcke wurden so zu Tale getragen, da der Wetterfleck und der Stutzen ja geschultert wurden.

Keine Deckeltasche, keine Seitentaschen, keine Sitzunterlage, die man aus dem Stauraum des Rucksackes entnehmen konnte, keine Gewehrhalterung (Sack und / oder Riemen) und auch keine außenliegend Spektivtasche und vor allem kein Boden aus Leder, welcher die Feuchtigkeit von außen abhielt.

Langsam kam das Rucksackmaterial „Loden“ in Mode und wurde auch für den „Kleinen Mann“ erschwinglich.

Damit erfolgte ein Quantensprung in Richtung Praktikabilität für die Jagd! Geräuschlos, lange Zeit Schutz vor der Nässe gebend und bei entsprechender Pflege, ein Begleiter für das ganze Jägerleben.

Die Außen-Taschenverschlüssen wurde wurden meist aus Schnallen mit Dorn gefertigt. Bei so manchen Luxusvarianten waren diese Verschlüsse auch mit Leder überzogen, um komplett geräuschlos zu sein.

Ein wenig später, mit der Erfindung des Reißverschlusses, hielt dieser auch Einzug in die Welt der Rucksäcke. Ferner kam der Deckel mit integriertem Innen-Fach hinzu, die Seiten-Taschen und die verschiedenen Ausführungen der Gewehrhalterungen.

Wer schon im Gebirge die Jagd ausgeübt hat und viel gegangen ist, weiß, wie wichtig es ist, dass man die Hände frei hat. Raffinierte Jagdrucksäcke erlauben daher, dass man einfach mit einem „Dreh“ das Gewehr in Schussrichtung bringen kann und gleichzeitig eine sensationelle Unterlage hat.

Durch einige Riemen und Schlaufen kann man sehr viele Ausrüstungsgegenstände am Rucksack anbringen. Auch das Fernglas, welches sich nach der einen oder anderen Stunde schwer am Hals bemerkbar macht, kann mittels eines Fernglashakens fixiert werden.

Auch das Innenleben hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. So ist man vom integrierten Berge-Sack abgekommen und hat die Innenseite mit abwaschbarem Material ausgestatten. Nach dem Transport der Beute stülpt man den Rucksack einfach um und wäscht den Schweiß rückstandlos ab! Fertig!

Bei den großen Gebirgsrucksäcken ist meist auch noch ein Sitzpolstern integriert, welches den Druck des Spektivs auf angenehme Weise entschärft.Bei einer regelmäßigen Pflege der Lederteile bzw. ab und an Imprägnierung des Lodens, wird dieser Rucksack zu einem „Erbstück“.

Selbstverständlich haben auch die diversen „zeitgemäßen“ Materialien und Designs deren Berechtigung.

Aber gerade in Österreich, wo Lederhose und Wetterfleck integrativer Bestandteil der Tradition und auch der, der Jad noch sind, ist ein entsprechender Rucksack nicht wegzudenken!

Meinen „Kleinen“ grünen Rucksack von „HEKA“ bekam ich vor fast 28 Jahren geschenkt. Unzählige Pirschgänge und Wanderungen verliehen ihm eine unverwechselbare Patina, konnten ihn aber nicht aus der Fassung und Fasson bringen.

Das Schöne an diesem Produkt ist, dass man eine lebenslange Garantie bzw. Serviceleistung in Anspruch nehmen kann. Meister Markus Marek, begnadeter Handwerker und Traditionalist, stellt nicht Massenware her, sondern fertig auf original Maschinen und ursprünglichen Materialen, individuelle tragbare Kunstwerke an.

Mein „Neuer“ trägt sich noch komfortabler, da das Sitzpölsterchen den Druck weitgehend schluckt. Auf den breiten und gut unterfütterten Tragriemen sich noch Ösen für die (Hunde)Leine eingelassen. Die Ränder der Taschen sind mit Leder eingefasst und dreifach vernäht. Fernglashaken und die robuste Schnur des Verschlusses ergänzen diesen funktionellen Rucksack.

Im Vergleich zum „Kleinen“ grünen Sack, ist der „Große“ ein wahres Raumwunder und sitz perfekt.

Ich war sehr lange auf der Suche nach dem „Top“ Wegbegleiter für die Jagd, ob Schweizer Militärrucksack, Schwedischer Armeerucksack, alte Leinen-Rucksäcke, alle sind nur ein Kompromiss.

Waidmannsheil,

Ihr

Gerhard Amler

Kontakt: LINK

2021-03-14T02:27:58+00:00
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