Von der Kunst ein Zielfernrohr richtig einzustellen….

November 27, 2021

Das Zielfernrohr – eine Welt für sich

Zielfernrohr einstellen – eine Kunst

Die Verwendung von Zielfernrohren startet erst mit auslaufendem 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein gewisser Karl Robert KAHLES gründet 1898 seine Firma in Wien. Im Jahre 1900 wurde das legendäre Zielfernrohr „TELORAR“ der Fa. KAHLES so etwas wie eine technische Revolution am Optikmarkt (LINK). In Tirol startet die Fa. Swarovski Optik 1948 (LINK) mit der Produktion von Zielfernrohren.

Wer über Optik spricht, der kommt nicht um die Orte, wie Oberkochen, Jena, Wetzlar, Berlin Charlottenburg etc. in Deutschland, vorbei. Firmen, nämlich ZEISS (LINK), LEICA (LINK), MINOX (LINK) um nur einige zu nennen, überraschten immer wieder mit bahnbrechenden Erfindungen und Produkten.

Aktuell ist bei allen renommierten Herstellern die technische Entwicklung nun im Reich der Wärmebildtechnik angelangt.

Zielfernrohrmontage – der Schlüssel zum Erfolg

Was ist aber allen Zielfernrohren gemeinsam?

Nun, ohne der richtigen Montage, also Ringen und Unterteilen etc., gäbe es kein sicheres und wiederholgenaues Schussbild.  Das Thema „Montage“ wird hier aber nicht näher erörtert, da es selbst ein abend- und seitenfüllendes Thema ist  und in einer eigenen Reportage abgehandelt werden wird.

Was fehlt aber noch, um einen präzisen Schuss abgeben zu können und eine sehr hohe Trefferwiederholgenauigkeit zu erzielen?

Zielfernrohr richtig  justieren – ein Teil der Waidgerechtigkeit

Richtig, das perfekte Einschießen!

Bequem und meist gegen Entrichtung eines Obolus, erledigt dies der Büchsenmacher. Nur ist es aber gerade auch in diesem Fall unbedingt notwendig – im Sinne der Waidgerechtigkeit –mindestens einen Schuss selbst im Schusskanal abzugeben.

Warum?

Jeder hat seine eigene Art und Weise „in das Zielfernrohr“ zu schauen, das Gewehr zu halten und abzudrücken. Der Idealfall ist, dass die Schussbilder vom Büchsenmacher und Eigentümer der Jagdwaffe nahezu deckungsgleich sind!

Zielfernrohr verwenden, aber nur richtig montiert

Voraussetzungen für das richtige Einschießen!

  • Eine „0-Innenballistik“: Übersetzt heißt das einfach, das der Lauf, innen – inklusive Patronenlager – gereinigt und gewartet sein ist. Das Projektil sollte Bedingungen, wie bei einer Neuwaffe vorfinden. Keine Ablagerungen, keine Beschädigungen (auch nicht an der Mündung) und keine Reste des Putzzeugs sollten das Innere des Laufes trüben und so das Potential des Laufes schmälern.

Genauso gehört es nicht nur zum guten Ton, sondern zu Erhöhung der Treffer Genauigkeit, dass auch die Linsen des Zielfernrohres fachgerecht und vorsichtig gereinigt sind. Eine klare ungetrübte Durchsicht ist der Anfang der Waidgerechtigkeit!

  • Vertrautheit mit der Waffe und richtige Stärke des Druckpunkts des Abzugs: Manche Berufsjäger habe nur von einem Waffenhersteller Produkte im Schrank, um auch in unvorhersehbaren Situationen einen waidgerechten Schuss abgeben zu können.

Der richtige Druckpunkt ist dann optimal, wenn bei der Schussabgabe kein „Hinunterziehen“ der Waffe erfolgt und der Schuss nicht schon allein durch das vorsichtige Auflegen des Fingers am Abzug sich löst!

  • Abstand Zielfernrohr zum Auge: Hier ist es ganz wichtig, dass dieser Abstand so ist, dass ein gerades Durchschauen einfach möglich ist. Anders formuliert, dass die Visierlinie (eine gedachte Gerade von dem Zielfernrohr bis hin zum Ziel) und die Optiklinie des Auges auf derselben Höhe sind.

Der Abstand zwischen Optik und Auge sollte so gewählt werden, dass das ganze abgebildete Gesichtsfeld in der Optik mühelos erfasst werden kann und ist natürlich auch von der Kaliberstärke abhängig.

Dies ist besonders wichtig, da sonst kein einwechselndes Wild erfasst werden kann und ich eventuell meine Entnahme im letzten Moment ändere (z.B. Kalb statt Schmaltier etc.).

Zielfernrohr erfolgreich einsetzen: auf die Unterlage kommt es an

  • Kugelfang beim Einschießen: Oberstes Gebot ist, dass ein Kugelfang, so man das Einschießen im Revier absolviert gegeben ist. Weiters, dass die gesamte Flugbahn des Geschosses einsehbar ist und niemand durch die Schussabgabe gefährdet werden kann. Am besten ist daher eine freie Fläche (große Wiese, Feld etc.), die durch seine Übersichtlichkeit vor plötzlichen Überraschungen schützt.
  • Richtige Munition und der Zauber derselben Charge: Der Geschoßaufbau und das Gewicht sollten für das zu bejagende Wild entsprechend konfiguriert sein.

Also, keine Wettkampf- oder Scheibenmunition auf das Wild! Auch mit zu leichten Geschossen auf schweres Wild entspricht nicht der Waidgerechtigkeit.

Für das Einschießen gilt aber auch die Erfahrung, dass nicht jeder Lauf, jede Munition verträgt. Einfach ausprobieren, und zwar nicht nur die Munition, die der Büchsenmacher vorrätig hat.

Eines ist auch wichtig: nämlich, dass man ausreichende Munition derselben Charge hat. Was bedeutet das? Nun, der Munitionshersteller produziert in großen Mengen die Munition. Ist einer gewissen Toleranzgrenze (Abweichung) bei den Maschinen erreicht, werden diese neu justiert. Daher kann die Treffpunktlage sich von Charge zu Charge unterscheiden. Die Nummer sieht man außen auf der Munitionsschachtel eingestanzt!

  • Richtige Unterlage: Am besten geht man so vor: 1) Abnahme des Gewehrriemens, damit es nicht zu Spannungen kommen kann (Riemen zieht den Schaft durch die das Auflegen auf die Unterlage) und 2) so auflegen, man fast nichts mehr korrigieren muss.

Wichtig ist auch, dass der Kolben weich gelagert ist. Warum? Sonst prellt der Rückstock von der Unterlage durch den Kolben zurück und es kommt zu einem falschen Schussbild. Daher gibt es bei Sportgewehren einen sogenannten „Endsporn“, der dieses Phänomen vereitelt.

Schussbild – die Munition entscheidet mit

    • Richtige Atem- und Abzugstechnik: Die Biathleten schießen zwischen zwei Herzschlägen, da dadurch das Gewehr in völliger Ruhelage ist und der Puls nicht auf das Gewehr übertragen wird.

    Tipp: Für uns Jäger gibt es eine althergebrachte Faustregel: zwei Mal tief ein und ausatmen. Ein drittes Mal tief einatmen und ausatmen, nicht mehr einatmen und dann abdrücken.

    Der Abzug sollte nicht gerissen, sondern, man erhöht langsam mit dem ersten Fingerglied den Druck auf den Abzug und lässt sich vom „brechenden“ Schuss überraschen.

    • „Let him swing“: Wichtig ist noch im Moment der Schussabgabe, dass man mit der Hand keine Druckausübung auf das Zielfernrohr und damit auf den Lauf ausübt!

    Warum? Weil der Lauf dann nicht frei schwingen kann und das Schussbild ein verzerrtes ist.

    Tipp: Wenn Sie ein Blatt Papier zwischen Lauf und Laufbettung widerstandslos durchziehen können, ist der Lauf frei schwingend.

    • Durch das Mündungsfeuer schauen und das Nachzielen: Hier ist das viel zitierte „Mucken“ angesprochen. Der firme Jäger schaut durch das Mündungsfeuer und kann noch gegebenenfalls das Verhalten des Wildes nach dem Schuss ausmachen. Also, ob das Stück liegt oder in welcher Richtung es möglicherweise abgesprungen ist. Weiters wird durch das Nachschauen auch der Moment der Schussabgabe verlängert und man erlebt die Einheit Jäger, Gewehr und Wild bewusst!

    Tipp: Sollte man „Mucken“, gibt es eine einfache Möglichkeit sich dieses wieder abzugewöhnen: Ab in den Schützenverein und ein regelmäßiges Trainieren mit dem Luftdruckgewehr. Sollte man dann schon wieder eine gewisse Sicherheit haben, geht es weiter zu KK-Stand!

    • Schussbild mit den verschiedenen Laborierungen und konstante Innenballistik: Wie schon erwähnt, mag nicht jeder Lauf jede Patrone.

    Professionelle Wiederlader haben daher folgendes Procedere: Sie stellen verschiedene Laborierungen (Projektile, Pulver, Pulvermenge etc.) her. In einem zweiten Schritt schießen sie 5er Gruppen, also ein Schussbild. Nach jeder Gruppe wird der Lauf wieder gereinigt: „0-Innenballistik“ (siehe oben). Diejenige Laborierung, welche dann das beste Schussbild ergibt, wird weiter ausgebaut!

    Tipp: Einfach verschiedene Munition ausprobieren, um die optimale Patrone zu ermitteln!

Nullung, Ballistik-Koeffizient und App

    • Nullung und Verwendung von Ballistik Daten: Bei den meisten Zielfernrohren genügt es, wenn man diese auf 100m „Fleck“ einschießt bzw. mit einen Hochschuss von 4cm auf 100m.

    Zum Beispiel ist beim Blaser Infinity (LINK) es so, dass man genau „Fleck“ einschießt (Nullung) und dann hat man die Möglichkeit direkt am Zielfernrohr die 4cm an Höhe zu korrigieren. Das Praktische ist dabei, dass man das Höhenverstellrad einfach anhebt, die 4cm verstellt und das Rad wieder einrasten lässt. So habe ich einen Hochschuss von 4cm, kann nach unten und oben variieren, aber die Einstellung ist geschützt!

    Das digitale Zeitalter hat aber auch nicht vor den Zielfernrohren Halt gemacht. So hat SWAROVSKI Optik das in der 2. Generation dS 5-25×52 entwickelt (LINK). Über App und eingegebene Ballistik Daten, Ballistik Koeffizient, Geschoßgewicht, Geschoßform etc. wird das Zielfernrohr mit dem Smartphon verbunden. Per Knopfdruck wird der korrekte Haltepunkt und alle relevanten Daten im Display eingeblendet. Aber auch hier bleibt einen die Nullung, also das Fleck Einschießen auf 100m nicht erspart!

    • Schussbild: Warum ging es schief oder was bedeuten bestimmt Schussbilder?
      • Gute Gruppe mit Ausreißer
        • Schussangst, nicht zentrisches Durchschauen durch das ZF
      • Horizontale Gruppe
        • Schütze liegt verspannt in der Seitenrichtung, Waffe wird nicht fest genug gehalten
      • Gruppe tief rechts:
        • Unsauberer Abzug, rechter Ellbogen rutscht
      • Enge Gruppe außerhalb des Zentrums
        • Falsche eingeschossen
      • Vertikale Gruppe
        • Atmen während des Schießens, Hinterschaft liegt nicht auf Sandsackablage

Zielfernrohr – Garant der Waidgerechtigkeit

  • Resümee:Es gäbe noch einiges darüber zu erzählen, welche Faktoren für ein erfolgreiches Einschießen maßgegeben sind, wie z.B. Absehen, MOA, Milrad oder die mentale Verfassung des Schützen, aber erfüllt man die oben genannten Kriterien, hat man schon sehr gute Karten, dass das Zielfernrohr gut eingeschossen ist!Waidmannsheil,IhrGerhard Amler
Von |2021-11-28T16:09:00+00:00November 27, 2021|Featured, Rund um die Jagd, Verschiedenes|0 Kommentare
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